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Allgemein Die Muschelinsel (Geschichte)

Die Muschelinsel Teil 1 erste Begegnung mit Miranda

Auf einer Insel gelandet, sitze ich nun auf einem Holzsteg, am Ufer des Meeres. Die Wellen rauschen sanft.

Neben mir sitzt ein Mädchen. Gedankenverloren bewegt sie eine Muschel in ihrer Hand und schaut aufs Meer hinaus. Noch hat sie mich nicht bemerkt. Soll ich sie ansprechen? Ich wage es einfach.

„Hallo!“, beginne ich vorsichtig und drehe mich in ihre Richtung.

„Hi.“, sagt das Mädchen neben mir kurz und ist weiter damit beschäftigt, ihre Muschel in der Hand zu bewegen.

„Was machst Du hier?“, fragt sie, in einem Moment, als ich schon nicht mehr damit rechne, dass wir beide ein Gespräch zu Stande bringen. Ich wollte mich schon damit abfinden, dass wir einfach nur nebeneinander sitzen und schweigen.

„Ich, … ich habe mir Geräusche mit Meeresrauschen angehört, und dann bin ich plötzlich hier gelandet.“, antworte ich stammelnd.

Ein kleines Lächeln huscht über ihr Gesicht. „Ach, Du bist wohl auch eher eine Träumerin oder?“, möchte sie wissen. Ich nicke und frage: „Ist das schlimm?“

Das Mädchen lächelt wieder und antwortet: „Nein, ganz im Gegenteil, denn ich bin ebenso eine Träumerin. Wenn ich im Meer schwimme, stelle ich mir oft vor, ich wäre eine Meerjungfrau. Ich weiß, für meine 14 Jahre ist das ziemlich kindisch!“ Sie räuspert sich verlegen. „Ganz und gar nicht!“, erwidere ich und füge hinzu: „Ich glaube daran, dass ein Teil von mir, in mir, eine Fee ist. Auch das würden viele Menschen wohl als verrückt empfinden.“

Das Mädchen umarmt mich und sagt: „Mein Name ist Miranda. Ich wohne hier mit meinem Vater. Er ist Fischer gewesen und er möchte, weil er keine männlichen Nachkommen gezeugt hat, dass ich seine Nachfolgerin werde. Schon früh habe ich von ihm das Fischerhandwerk gelernt. Aber ich mag das eigentlich nicht. Die Meere sind schon so sehr überfischt, aber er setzt mich immer unter Druck. Er sitzt nur mehr zu Hause und möchte, dass ich jeden Abend mindestens einen Fisch fürs Abendessen heimbringe. Dann gibt es auch noch meine Stiefmutter. Sie kann mich nicht leiden. Aber ihre leibliche Tochter Tamina liebt sie heiß. Wegen ihr musste ich mein großes, schönes Kinderzimmer räumen, und in ein dunkles, kleines Zimmer ziehen.“

Miranda redete in einem fort. Da plötzlich war hinter uns eine Türe zu hören. Ein Mann kommt auf uns zu und funkelt Miranda böse an. Mit donnender Stimme redet er auf Miranda ein: „Was machst Du schon wieder für einen Blödsinn? Sitzt nur am Ufer rum und gaffst dumm aufs Meer hinaus! Vergiss Deinen Auftrag nicht. Geh fischen und bring uns einen guten Happen fürs Abendessen mit! Mutter, ich und Tamina sind schon sehr hungrig!“. „Ich mag nicht mehr fischen gehen. Und außerdem, Ihr könnt ja nie genug bekommen. Egal, was ich Euch heimbringe, die Fische sind immer zu klein. Ihr seid mit nichts zufrieden.“, erwidert Miranda. „Hör auf zu maulen und steig in Dein Boot! Und wer ist das überhaupt?! Fremde Menschen sind hierunerwünscht, das wollte ich nur mal gesagt haben!“, gab der Vater zurück. „Aber sie tut doch niemandem was. Sie sucht nur etwas Entspannung beim Meer.“, verteidigt mich Miranda. „Dann soll sie doch wo anders hin, und nicht hier herumsitzen. Die meisten Menschen sind blöd und haben auf unserer schönen Insel nichts, aber rein gar nichts verloren! Merk Dir das, Miranda!“

Peinlich berührt sieht mich Miranda an. „Ist schon gut, Du kannst nichts dafür!“, flüstere ich ihr beruhigend zu.

„Hört auf zu quasseln und verschwindet endlich von hier! Miranda, Du in Dein Boot, und Du Fremde, geh dorthin, wo Du her gekommen bist!“, donnert der Mann weiter. Ich stehe auf, aber Miranda bleibt sitzen und dreht ihre Muschel weiter nervös zwischen ihren Fingern. Als dies der zornige Vater sieht, sagt er drohend: „So, und wenn Du nicht sofort tust, was ich Dir sage, nehme ich Dir diese verdammte Muschel weg und werfe sie ins Meer. Dann hast Du wenigstens einen Grund mehr, ins Meer hinaus zu fahren!“. Er lacht höhnisch. Schnell verstaut Miranda die Muschel in einer Tasche ihres Kleides. Auf keinen Fall dürfe ihr Vater diese Muschel in die Hände bekommen. Sie ist, wie es schien, das Wertvollste in ihrem Leben. Warum, das weiß ich noch nicht. Der Mann funkelt uns noch einmal böse an und geht dann wieder ins Haus.

„Wie heißt diese Insel hier?“, frage ich Miranda leise. „Das ist die Muschelinsel.“, antwortet sie. „Nun muss ich aber los, bevor er nochmal rauskommt.“, fügt Miranda hinzu. Sie steigt in ein kleines Boot und fährt aufs Meer hinaus. Und auch ich ziehe mich vorerst von dieser Insel zurück und komme wieder an im Hier und jetzt. Mein Entschluss steht aber fest: Ich möchte Miranda wieder besuchen, egal, ob es ihrem bösen Vater passt, oder nicht.

Von Jacqueline

Ich bin Jahrgang 1982, in Wien geboren und aufgewachsen. Seit Mai 2003 lebe ich in Klagenfurt am Wörthersee.
Ich bin verheiratet und wir haben 2 Katzen, die Lucky und die Franzi.
Mein größtes Hobby ist das Schreiben, Geschichten, Gedichte, Tagebuch. Was meine Gedichte/Geschichten betrifft, ist es mein Bestreben, diese Welt mit meinen Texten ein Stückchen heller zu machen.

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