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Die Frau auf der Mitleidsschiene

Ein besserer Beitragstitel fällt mir zu dieser gestrigen Begegnung an einer Bushaltestelle nicht ein.

Eine ältere Frau sprach mich/uns an. Stock hatte ich gestern keinen dabei, aber ich war mit einer Armbinde an der Jacke als blind gekennzeichnet. Sie meinte, mein Gott, ich wäre ja so arm, weil ich nicht sehen kann. Ich meinte, dass ich damit gut zurecht komme, weil, ich kenne es ja auch nicht anders, weil es von Geburt an schon so ist. Die Dame steigerte sich aber nur noch weiter in ihr Mitleidsgetue hinein und meinte: „Ach was, ein Leben, ohne etwas sehen zu können, ist doch nicht lebenswert!“. Worauf ich erwiderte, dass es so viel schönes auf der Welt gibt, dass man auch mit den anderen Sinnen wahrnehmen kann. Schließlich sagte sie, ich könne ja alleine nirgens hin, korrigierte dann aber und fügte hinzu: „Ach ja, die Blinden gehen ja mit diesem Stock.“, was ich bestätigte. Ich wollte gerade stolz hinzufügen, dass wir in letzter Zeit hier in der Nähe mehrere Wege eingeübt hatten, da meinte sie in besorgtem Ton zu uns: „Aber besser, Sie gehen immer gemeinsam, weil sonst passiert Ihnen alleine noch was.“. Ich meinte darauf nur noch, man darf nicht so negativ denken. Auf ein weiteres Gespräch ließ ich mich mit der Frau nicht mehr ein. Wir ignorierten ihr Gefasel nur noch und wir waren froh, als endlich der Buss kam.

Ich unterhalte mich gerne mit Menschen und versuche zu erklären usw. aber wenn sie, wie diese Frau uneinsichtig sind und keinen Raum lassen, dass es doch anders sein könnte, als wie sie behaupten, und mir dann auch noch „vorschreiben“, ob ich nun alleine gehen darf oder nicht, dann ignoriere ich die Person und lasse sie in ihrem Glauben. Und zum Glück, die meisten Begegnungen mit fremden Menschen sind durchweg positiv.

Von Jacqueline

Ich bin Jahrgang 1982, in Wien geboren und aufgewachsen. Seit Mai 2003 lebe ich in Klagenfurt am Wörthersee.
Ich bin verheiratet und wir haben 3 Katzen, die Lucky, die Franzi und den Merlin.
Mein größtes Hobby ist das Schreiben, Geschichten, Gedichte, Tagebuch. Was meine Gedichte/Geschichten betrifft, ist es mein Bestreben, diese Welt mit meinen Texten ein Stückchen heller zu machen.

8 Antworten auf „Die Frau auf der Mitleidsschiene“

Das klingt ja wirklich grauenhaft, liebe Jacqueline. Unfassbar anmaßend, verurteilend und zu null Prozent empathisch. Wow. 🐙

Hut ab, dass ihr nicht ausgeflippt seid. Allein die Aussage, „so ein Leben sei nicht lebenswert“ löst bei mir Brechreiz aus. 💀

Da fehlen einem/mir fast die Worte.

Umso mehr Wärme und Licht schicke ich dir und deinen vier Liebsten vor Ort jetzt! 🌞

VVN

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Ich musste mich sehr bemühen zum Schluss, dass ich nicht unfreundlich werde. Der Philipp konnte nur noch mit dem Kopf schütteln. Wobei, wenn ich/wir ausgeflippt wären, hätte es womöglich dann geheißen „Behinderte Menschen sind so unfreundlich“, wer weiß. Deshalb, einfach ignorieren war am Ende das Beste, was wir machen konnten.
Ganz lieben Dank Dir von ❤ Herzen 🙂

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