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Greti, das Elfenkind, eine Kurzgeschichte

Der Sommer neigte sich dem Ende zu. Prall und reif hingen große und kleine Früchte auf Bäumen und Sträuchern. In einer der kleinen Beeren, die den, noch grünen Strauch wie Perlen schmückten, schlummerte es, ein Elfenkind.

Es war ein verlassener Obstgarten. Hin und wieder kamen Kinder und stibitzten ein paar Früchte, doch es machte sich niemand was daraus. Und so landeten Jahr für Jahr all die kostbaren Früchte auf dem Boden und waren einzig und alleine dazu von Nutzen, den Vögeln als Futter und Nahrung zu dienen.

Eines Tages, als die Sonne noch einmal ihre letzte Kraft gab, und die Früchte groß und klein beschien, fiel jene Beere zu Boden, in welcher das Elfenkind Greti bisher noch schlummerte. Jedoch, durch den Aufprall am Boden erwachte sie und purzelte aus ihrer Perle, rappelte sich aber sofort auf. Da kam auch schon eine hungrige Amsel und verspeiste die Beere.

Greti begann zu weinen und rief: „Und nun? Was wird nun aus mir?“. Dann erst bemerkte sie, dass sie fliegen konnte. Sie war orientierungslos und flog vorerst auf ein Blatt ihres Heimatstrauches. Ein Rabe gesellte sich zu ihr und fragte freundlich krächzend: „Warum so traurig, kleine Elfe?“ „Ach, ich bin aus meinem Beerenbett gefallen, als es vom Strauch fiel. Meine Beere wurde auch bereits gefressen, und nun weiß ich nicht weiter.“, klagte Greti. Die Miene des Raben veränderte sich und er krächzte: „Mann oh Mann, die Elfen von heute haben Probleme! Denk an Deine Vorfahren. Wenn die Zeit gekommen war, zum Erwachen oder für einen neuen Lebensabschnitt, verließen sie sich auf ihr Feingefühl, wo sie denn gerade gebraucht werden, und suchten sich einfach neue Aufgaben/Wohnungen.“

Greti wurde zornig: „Ja, ja, Du großer Vogel stellst Dir alles so einfach vor! Stell Dir mal vor, Du fliegst aus Deinem Bett und nur wenig später ist es weg!“ „Hör auf zu schimpfen und zu jammern, und mach was aus Deinem Elfenleben!“, erwiderte der Rabe noch genervt und flog davon.

Eine kühle Herbstnacht: Greti ließ sich treiben, mit geschlossenen Augen. Sie gab sich dem Nachtwind hin. Irgendwann flaute dieser ab und Greti landete auf einem Fenstersims. Sie lugte hinein. „Oh nein, Menschen! Was soll ich bei Menschen? Nicht alle sind gut zur Natur, und die wenigsten glauben an Elfen.“ Doch Greti fügte sich ihrem Schicksal. Erstmal schlief sie auf dem Fenstersims ein. Dort lagen zwei verdorrte Blätter, die der Wind wohl hinauf geweht hatte. Auf ein Blatt legte sie sich drauf, und mit dem zweiten deckte sie sich zu. „War das der selbe Wind, jener, der auch mich hierher gebracht hat?“ Während sie noch darüber nachdachte, schlief sie ein.

Der nächste Morgen: Nebelschleier hingen in der Luft als Greti erwachte. Erneut lugte sie durch das Fenster. Was war das? Eine Katze sprang in diesem Moment auf das Fensterbrett. Draußen die Elfe und drinnen die Katze sahenn sich in die Augen. „Katzenaugen sind auch wie Perlen. Und mein Name, Greti, bedeutet Perle.“, dachte sie bei sich. Die Katze war übrigens schwarz, und ihre Augen Bernsteinfarben.

Aufgeregt hüpfte Greti auf dem Fenstersims umher und sagte sich: „Vielleicht sollte ich mein Hauptaugenmerk nicht auf die Menschen richten, sondern vielmehr auf die tierischen Mitbewohner dieses Hauses. Vielleicht ist das meine zukünftige Aufgabe, Haustier-Schutzelfe.“

In diesem Moment ging das Fenster auf. Die Katze hüpfte durch das Fenster, welches nicht besonders hoch war, hinunter auf die Wiese, und Greti ihr hinterher. Eine Frau schloss wieder das Fenster. Und wieder, die Blicke von Katze und Elfe trafen sich.

„Bist Du Haustier-Elfe? Und wie heißt Du?“, fragte die Katze. „Hm, es soll wohl so sein, dass ich Haustier-Elfe bin und werde. Bis vor kurzem war ich mir nicht sicher, was meine Aufgabe sein würde. Mein Name ist Greti.“ Und Greti erzählte der Katze ihre Geschichte.

Als Greti zu Ende erzählt hatte, begann die Katze: „Ich lebe noch nicht so lange hier, vielleicht zwei oder drei Monate. Ich bin auf einem Bauernhof geboren. Mein Name ist Minka. Bin in dieses Haus gekommen, als ich 12 Wochen alt war. Meine Schwester Lucy ist auch hier, jedoch sie ist scheu und lieber drinnen.“

Gegen Abend ließ man Minka wieder ins Haus, und auf ihrem Rücken ließ sich, … na, ratet mal wer, mit ins Haus tragen, genau, Greti, die kleine Elfe. Auch Lucy freundete sich mit Greti an und so war die Elfe nun angekommen, in einem neuen Zuhause, und mit ihrer neuen Aufgabe, Haustier-Elfe zu sein, fühlte sie sich sehr wohl.

Im Frühjahr zog die Familie um. Minka und Lucy, samt Elfe Greti kamen natürlich mit. Der Familienvater hatte den ganzen Winter über ein einsames Einfamilienhaus renoviert. Zu dem Haus gehörte ein schöner, großer Obstgarten. Der Umzug war nötig, da sich Nachwuchs ankündigte.

Als sie mit den Katzen im Transportkäfig im neuen Zuhause angekommen war, staunte Greti nicht schlecht. „Nein, Minka, Lucy, das gibts doch nicht!“, rief die Elfe. „Was denn?“, fragte Minka, während sich Lucy nur ängstlich zusammenkauerte. Greti wies mit einem ihrer kleinen Finger hinaus in den Garten. „Hier bin ich geboren!“, flüsterte sie und wurde ganz andächtig.

Doch Greti hatte nicht viel Zeit, sich ihren Erinnerungen hinzugeben. Ihre Aufgaben als Haustier-Elfe waren nun erst recht von Nöten, um Lucy zu helfen, sich zu entspannen und im neuen zu Hause anzukommen, während Minka bereits den geräumigen Garten und das Haus erkundete.

Ein halbes Jahr wohnte die Familie nun schon hier. Wieder war es Herbst. Und wieder gab es reichlich Obst, auch in jenem, ehemals verlassenen Obstgarten. Doch diesmal wurde alles geerntet und liebevoll von der Hausfrau weiterverarbeitet, zu Kompott und Marmeladen. Das Mädchen, welches gesund im Frühjahr zur Welt gekommen war und die beiden Katzen verstanden sich sehr gut. Und Greti gab ihre Energie dazu, für ein harmonisches Familienleben. Ja, alle waren glücklich und zufrieden.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

03.09.2022

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Von Jacqueline

Ich bin Jahrgang 1982, in Wien geboren und aufgewachsen. Seit Mai 2003 lebe ich in Klagenfurt am Wörthersee.
Ich bin verheiratet und wir haben 3 Katzen, die Lucky, die Franzi und den Merlin.
Mein größtes Hobby ist das Schreiben, Geschichten, Gedichte, Tagebuch. Was meine Gedichte/Geschichten betrifft, ist es mein Bestreben, diese Welt mit meinen Texten ein Stückchen heller zu machen.

6 Antworten auf „Greti, das Elfenkind, eine Kurzgeschichte“

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